Katholische Kirche: Pfarrer aus Frankfurt legt sich mit Rom an

Katholische Kirche: Pfarrer aus Frankfurt legt sich mit Rom an

Frankfurt – Mit einem flammenden Appell hat sich Pfarrer Werner Portugall in einem Beitrag auf seiner Facebook-Seite für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in der katholischen Kirche ausgesprochen. Im Gespräch mit Redakteur Michael Forst erklärt er, warum er mit dem Vatikan querliegt.

Der erste Gedanke war: Wie unsensibel muss man eigentlich sein, um mitten in der weltweit wütenden Pandemie, kurz nach dem jüngsten Kapitel zum Thema „Vertuschung von Missbrauchsfällen“ in Köln, „Maria 2.0 und Frauenordination“ auch noch diese Tellermine zu legen? Es geht zudem nicht allein um homosexuelle Paare. Es geht ja genauso um geschieden wiederverheiratete Paare: alles Themen des „synodalen Wegs“ der Kirchenreform in Deutschland.

Beide sind Katholikinnen, denen ihr Glaube und ihre Kirchlichkeit etwas bedeuten – und das, obwohl unsere Kirche ihnen mit Nachrichten, wie sie jetzt aus Rom kamen, ins Gesicht schlägt. Die in Italien propagierte Variante des „cammino sinodale“, die sich ausdrücklich nicht als kirchliche Reformdebatte begreift, spricht von einem „Netz der Geschwisterlichkeit“, das „verkündet, gefördert und gefeiert“ werden soll. Für mich hören sich solche Formulierungen hohl an, wenn ich den Eindruck habe: Da wird erst mal definiert, wer mein Nächster ist und wer nicht, statt dass ich mich den Menschen öffne, die meinen Weg als Pfarrer kreuzen und um Segen für ihr Leben und ihre Liebe bitten. Jesus hat nicht nur zur Unterhaltung Geschichten erzählt, in denen er seine Zeitgenossen mahnte: Du suchst dir deine Nächsten nicht aus. Im entscheidenden Augenblick geht es auch gar nicht darum, wer dein Nächster ist, sondern, wem du dich als der Nächste erweist.

Ja. Denn ich habe durch sie gelernt. Es ist ein Geben und Nehmen gewesen, diese Feier vorzubereiten und durchzuführen. Mehr solcher „Grenzgänge“ wünsche ich meiner Kirche – aber auch anderen, konfessionsfreien „couch potatoes“.